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  • AutorenbildTom David Frey

Dann lasst uns Weihnachten doch abschaffen

Gedanken machen sich viele. Um die Welt. Die Finanzen. Die Beziehung. Um die Ergebnisse in der Bundesliga. Um Strompreise. Um das Abendessen. Heute aber soll es um Höheres gehen. Um den Sinn und Unsinn, den Weihnachten mit sich bringt. Und darum, ob man Weihnachten nicht doch lieber abschaffen sollte. Denn wer über die Zehn Gebote lacht und Deutschland Kulturlosigkeit attestiert, der sollte Weihnachten ebenso wenig feiern wie den Gang zum Zahnarzt.


Symbolbild - Aufgenommen in einer Kirche in Nazareth, Israel

Früher war Weihnachten toll! Klar, es gab Geschenke. Und zumindest bis zu einem gewissen Alter glaubte man an das Christkind. Und all die vielen Lichter, die in der Vorweihnachtszeit so hoffnungsvoll und lebensfroh die Fenster und Straßen zierten. Auch die Gerüche, die wir mit Weihnachten verbinden, versüßten uns eine ganze Jahreszeit. Feine Nuancen von fruchtiger Orangenschale, von Zimt, Anis, von Koriander, Muskat und Nelken war in der Luft, ebenso wie der von Tannennadeln und Bienenwachskerzen.

Und im Hintergrund kein "Last Christmas" sondern Bachs herrschaftliches wie anmutiges "Weihnachtsoratorium".

Ja, Weihnachten war toll.



Heißt erwachsen werden, den Zauber zu verlernen?


Natürlich wird man mit der Zeit älter. Unaufhaltsam.

Unsere Minuten verrinnen und werden zu Jahren, die uns erst größer und stärker, dann selbstständiger und beschäftigter und im glücklichsten Falle sogar mit den Jahren weiser werden lassen, während sich eine Falte nach der anderen in unser Gesicht zeichnet, wie die Jahresringe eines Baumes.


Im Laufe dieses Prozesses, und ganz individuell an immer unterschiedlichen Punkten, fallen viele von uns ab. Vom Glauben. Vom Sinn. Manche sogar vom Sein.


Wir sind beschäftigt. Zu beschäftigt, um uns auf das wesentliche zu fokussieren.

Wir rationalisieren unsere Welt, als würden mathematische Formeln Glück versprechen, nicht aber Familie, Demut, Vernunft und Zusammenhalt. Wir suchen nach neuen Prophezeiungen und finden sie bei denen, deren Zukunftsvisionen düster sind. Und bemerken dabei nicht, wie wir innerlich verkümmern. Höchstens bemerken wir es dann, wenn wir uns einsam fühlen. Oder unfähig, beim Gehalts- und Schönheitswettbewerb mitzuhalten, der unaufhörlich vergleicht, auf dass ein Mensch niemals genug sei.


Da bleibt nicht viel Zeit für Lebkuchen und Kirche. Für Besinnlichkeit und Glaube.



Du sollst nicht glauben!


Man könnte fast meinen, der Herr der Moderne, der sich fast überall versteckt, habe den Glauben besiegt. Ein für alle Mal. Als habe das elfte Gebot gelautet, den Glauben zu verbannen.


So lacht man an Universitäten nicht erst seit gestern über die, die an eine Entstehungsgeschichte glauben, die nicht vom Zufall herrührt. Und über die, die einen Sinn sehen, der über das kurzweilige Vergnügen hinausreicht, schüttelt man nur den Kopf.


Bei Netflix, Disney+ und anderen Streamingplattformen kommt Weihnachten hauptsächlich in verdrehten Klamaukstücken vor. Und gläubige Christen werden als für die Geschichte nützliche Idioten abgehandelt, die hie und da einen Lacher beisteuern oder über die man erhaben schmunzelt.


Nur der Gläubige hat an Universitäten, bei Social Media und Netflix eine Bastion, wird akzeptiert und gefördert, der ins gängige Opfernarrativ passt. Der als vom "weißen Manne unterdrückt" gilt und entsprechend wohlwollend betrachtet werden kann.

Dass es beim Opfernarrativ nicht um den Blutzoll geht, sondern um eine erdachte Klassenzugehörigkeit, definiert nicht vom Leben, sondern von Akademikern, ist Teil der obskuren Philosophie, die um sich greift.

So gelten abgeschlachtete jüdische Frauen und Kinder ebenso wenig als Opfer, wie christliche Familien, die eingesperrt oder ihrer Lebensgrundlagen beraubt werden.


Neu ist das nicht. Rassendenken, Klassendenken, Schubladendenken: in selbst gewählten Strukturen zu denken, abseits von faktischen Gegebenheiten, ist so alt wie die Menschheit selbst. Neu ist nur, dass der zumeist eigene Glaube in seiner Gänze lächerlich gemacht, während der eines anderen gegen jeden noch so sachlichen Vorwurf verteidigt wird.



Der verlorene Kampf um Traditionen


Ich sitze also hier, an Heiligabend, und trinke meinen Tee. "Winterzeit" heißt er. Und er soll mit Spekulatius-Geschmack daherkommen. Da fällt mir doch glatt auf, dass das herrliche Gebräu auch "Weihnachtszeit" hätte heißen können. Obwohl das natürlich – und das sollte jedem bewussten Europäer der Neuzeit klar sein – nicht inklusiv wäre. Ein Tee, der sich mit christlichem Namen in die Regale schleicht, würde zartbesaitete Seelen an Universitäten und in den Medienhäusern des Landes sicher schnell an religiösen Fanatismus oder zumindest an Diskriminierung erinnern.


Wohin religiös befeuerte Diskriminierung führen kann, das habe ich dieses Jahr hautnah gesehen. Als ich mit der Kamera durch die Kibbuzim in Israels Süden ging – der Geruch des Todes auch Wochen nach den Attentaten noch in der Luft – in denen Juden von Islamisten brutal niedergemetzelt wurden. Nur wurde da keine Kritik an der Religion der Täter laut, auf die sich diese während des Schlachtens wieder und wieder beriefen.



Bild eines zerschossenen Autos in einem israelischen Kibbuz

"Aber kann ein Tee, der sich wie ein hoher christlicher Feiertag nennt und zu keinem bösen Handeln aufruft, wirklich diskriminieren? Oder ist das nicht irgendwie albern und zeugt von westlicher Dekadenz?", schießt mir ein Gedanke durch den Kopf. "Ich dachte, es wären Hassprediger und Kugeln, die töten. Nicht Tees, die jeder zu genießen vermag, der auf den Geschmack gekommen ist. Ob Christ, Jude, Buddhist oder Muslim." Die Tasse dampft. Sich keiner Schuld bewusst. "Sei's drum", denke ich mir und nippe an meinem für alle Fälle inklusiv betitelten Winterzeit-Tee. Die Weihnachtsnote ist unverkennbar. Wie auch immer das Tässchen nun heißen mag.


Aber Tee ist gar nicht allein, wenn es darum geht, christlich klingende oder von der Tradition aufgeladene Namen zu entschärfen. Zum vermeintlichen Wohle aller, die nicht oder die anders glauben.


Da wäre der "Sternschnuppenmarkt", der früher noch "Weihnachtsmarkt" hieß. Eine Sternschnuppe, die tut schließlich niemandem weh. Da scheinen sich die Wohlmeinenden sicher.

Und die "Frohen Feiertage", die man sich heute wünscht, die retten unzählige Seelen, die ansonsten von dem aus der Pistole geschossenen "Frohe Weihnachten" vielleicht verwundet worden wären.



Die Rolle der Konservativen in der Debatte


Warum aber monieren Konservative eigentlich so leidenschaftlich?

Sie wollen auf dem Weihnachtsmarkt ihren frisch aufgebrühten und in der Kälte dampfenden Weihnachtstee trinken und dem Gegenüber "Frohe Weihnachten" zurufen. Check.

Kann man daran wirklich etwas aussetzen?


Die erbittertsten Streiter gegen das unsägliche Gendern, die rückgratstärksten Verfechter der Unbescholtenheit von Kindern, die sich gegen eine Früh- und Dauersexualisierung stark machen, selbst die Vorkämpfer einer Migrationspolitik, die auf Integration, nicht aber auf Masse setzt, sie alle verbindet, dass sie von der Kirche – in vielen Fällen sogar vom Glauben – abgefallen sind.


Und hier erkennt man den Bruch ganz deutlich.


Ost-West gegen West-West. Oder, etwas verständlicher, Europa gegen Amerika.

Europa, dass G-tt schon in der Vergangenheit für tot befand und sich auch nicht dadurch korrigieren ließ, dass g-ttlosigkeit in Menschenkult und am Ende in Massenmord mündete. Dieses Europa wird auch heute mit dem Glauben nicht mehr warm. Wo man in Amerika volle Kirchen findet, schließt in Europa ein G-tteshaus nach dem anderen. Selbst an Weihnachten machen viele Kirchen ihre Türen weder hoch noch die Tore weit.

Wenn die Welle der Menschenmassen einmal verebbt ist, die am 24. in die Kirchen strömen, dann kann der Küster den Schlüssel im Schloss zweimal umdrehen. Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.

Denn erst, wenn abermals der Segen abgeholt werden soll, kommen sie wieder, die Menschen. Den Segen abholend für den aus Fernost stammenden Geschenkeberg. Den Segen abholend für ein Festmahl, das es weder dem produzierenden Bauern ermöglicht, über die Runden zu kommen, noch der Gans, ein hygienisches Dasein bis zur Schlachtung geführt zu haben.

Aber Hauptsache, man hat sich diesen Einmal-im-Jahr-Pflichtsegen abgeholt. Amen.


Wie die Menschen wohl reagierten, wenn der Pfarrer ihn nicht weg schenkte, als sei er eine selbstverständliche und alljährliche Lappalie?

Was, wenn er ihn an Bedingungen knüpfen und Strenge zeigen würde? Gar etwas voraussetzen?

Was, wenn es statt Süßigkeiten einmal Kartoffeln gäbe für die erwachsenen Kinder, die sich mit dem Glauben nicht mehr beschäftigen wollen, zwischen Haushalt, Finanzplanung und Netflix-Abenteuer?


Herausfinden werden wir es wahrscheinlich nicht. Denn in der Kirche ist der Segen am 24. Dezember eben doch noch sicher. Der Glauben hingegen scheint eher zur Randnotiz zu verkommen.


Symbolbild

Zeit, mit anzupacken


Liebe Konservative (und solche, die es einmal werden wollen),


wie wäre es denn, wenn Ihr mitanpackt?

Was ist eigentlich so falsch daran, den Glauben mal wieder ernstzunehmen?

Sich ins Zeug zu legen, auch an ganz normalen Sonntagen die Familie zusammenzutrommeln, in die Kirche zu gehen, die Arbeit (und das Smartphone) ruhen zu lassen?

Was spricht dagegen, sich eingehender mit der Bibel auseinanderzusetzen, die in die Abschaffung der Sklaverei mündete, ebenso wie in die größte und freiheitlichste Verfassung und in viele weitere Annehmlichkeiten, die unser Leben heute so lebbar machen?


Und, wer weiß, vielleicht findet man auf der Suche zwar keine Antwort, aber zumindest Sinn. Und wie wäre es, mit dieser neuen Beseeltheit, die dann weniger leer ist, auch Traditionen wieder Leben einzuhauchen, die so schwer haltbar sind, wenn man ihnen die Daseinsberechtigung, den Glauben, wegnimmt?

Vielleicht funktioniert es ja dann mit der festlichen Beleuchtung in der ganzen Straße, den Strompreisen zum Trotz? Oder zumindest in der eigenen Wohnung, die in die Welt hinausstrahlt, dass dort jemand wohnt, der die Frohe Botschaft empfangen hat.



Tradition setzt Inhalt voraus


Die großen Philosophen der Aufklärung wollten im Glauben den Grund für Missgunst und Kriege ausgemacht haben.

Adolf Hitler fürchtete die Bibel so sehr, dass er sie zu "entjudaisieren" versuchte und ihr seinerzeit einen nationalen Kurs aufbürdete, ebenso, wie manch palästinensischer Aktivist das auch heute noch versucht.

Aber auch die großen Entscheider des Kommunismus sahen in der Religion ein gefährliches Opioid, das es zu bekämpfen galt.

Ebenso sahen das die Anhänger der linken Flower-Power-Bewegung, die Religion in weiten Teilen ablehnte und die selbst höhere Botschaften zu empfangen schien, allerdings nur dann, wenn das Konsumniveau hoch genug war.

Und heute, bei Social Media, da glaubt man wohlgefällig an wirklich jeden Unsinn – Hauptsache, er steht in keiner Beziehung zur Bibel.


Jahrelang wurde der Glaube verlacht und die daraus erwachsene Kultur klein oder gar nichtig geredet. Auch die gesellschaftliche Leitfunktion, die beide innehatten, wurde nachhaltig gestört.

Wer geht heute noch zum Priester, wenn doch der gut bezahlte Psychiater sich einem wie Klammeräffchen therapierend um den Hals werfen?

Warum sich mit dem Glauben beschäftigen, wenn nicht Familie und Gesundheit, sondern Reichtum und Aussehen die Gesellschaft bewegen?

Warum Menschen nach judeo-christlichem Leitbild integrieren, wenn doch jede Kultur wunderbar ist, ganz egal, ob sie Frauen beschneidet, Homosexuelle vom Dach stößt oder Andersgläubige hinrichtet?


Vielleicht müssen wir weniger nörgeln über das Wegbröckeln von Traditionen. Vielleicht passiert das einfach, nachdem jahrzehntelang von jedermann das Fundament beschädigt wurde.


Wer Traditionen und Werten wieder Leben einhauchen will, vom Weihnachtstee über den Christbaum bis hin zum Heiligen Abend und zum friedlichen Zusammenleben, der sollte zuerst das Fundament stärken. Und das ist in einem nicht geringen Maße der Glaube, der seine vielen Feinde überdauert.

Der Glaube, mit dem sich zu beschäftigen so viel lohnenswerter ist, als seine Zeit mit ewiger Finanzmaximierung zu vertrödeln, sich mit unrealistischen Körperbildern unglücklich zu machen oder einer sinnlosen wie falschen TikTok-Ideologie nachzuhängen.



Was ist eigentlich die Weihnachtsbotschaft?


Und vielleicht sollt man sich an Weihnachten wieder auf das konzentrieren, worum es eigentlich einmal ging.


Dass es weniger um die "nervige Familie", um "Geschenkeberge" und um "Stress" geht, so viel ist mir zumindest mittlerweile klar. Worte wie Dankbarkeit, Vergebung und Demut kommen mir eher in den Sinn. Auch, dass es nicht nur darum geht, mit denen Frieden zu machen, mit denen es keinen Konflikt gab, ist mir mittlerweile. Denn Frieden macht man mit Feinden. Und nicht da, wo es keinem wehtut. Und dass es darum geht, Menschen in der Not zu helfen, nicht sich selbst beladen, könnte eine weitere Weihnachtsbotschaft sein...

Aber ich will gar nicht erklären, was die Weihnachtsbotschaft so alles bedeuten und nicht bedeuten könnte. Vielleicht bin ich auch selbst noch nicht so weit.


Wie wäre es also, wenn Du selbst loslegst: Die Frohe Botschaft als Weihnachtsgeschenk annimmst – und sie dann, im kommenden Jahr, aus vielen unterschiedlichen Winkeln beleuchtest, hinterfragst und vielleicht sogar verstehst. Es könnte sich lohnen. Und vielen Menschen da draußen zum Geschenk werden.


In diesem Sinne: Frohe Weihnachten.


Symbolbild

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Tom in Israel, Kibbuz Kfar Aza.jpg

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